Fahrt nach Cluj-Napoca

Am 2. Oktober 2023, machte ich mich frühmorgens auf den Weg nach Cluj-Napoca. Der Wecker klingelte um 5 Uhr, doch meine innere Uhr weckte mich bereits um 4:40 Uhr. Zeit für eine entspannte Dusche und Frühstück. Meine Unterkunft hatte im Keller eine kleine Küche mit einem Wasserkocher und anderen Annehmlichkeiten sowie eine gemütliche Sitzecke. Hier saß ich, las Zeitung und genoss die Stille, während draußen der Mond schwach leuchtete. Es waren 13 Grad Celsius, aber ich freute mich auf die erwarteten 24 Grad am Mittag und trug bereits ein T-Shirt.






In meinen E-Mails fand ich jedoch eine unerfreuliche Nachricht. Die Eisenbahngesellschaft hatte meinen reservierten 1. Klasse-Sitz gestrichen und mich in die 2. Klasse umgebucht, was schade war. Dennoch brach ich frühzeitig auf, und die Linie 8 brachte mich zum Bahnhof, früher als geplant, und zusammen mit anderen Frühaufstehern.


Am Bahnhof herrschte bereits reges Treiben. Beim erneuten Überprüfen meiner Abfahrtszeit stellte ich fest, dass der Zug um 6:47 Uhr statt wie geplant um 7:02 Uhr abfuhr. Glücklicherweise hatte ich noch rechtzeitig davon erfahren.


Leider hatte ich Pech mit meinem Sitz, da ich einen Fensterplatz mit einem Nachbarn hatte – auf einer 6-stündigen Reise! Glücklicherweise fand ich einen anderen Sitz und konnte bequem sitzen. Alle 20 Minuten machten wir Halt an kleinen Provinzbahnhöfen und ansonsten bewegten wir uns mit 100 km/h durch eine eher flache Landschaft, die Holland ähnelte. Die Karpaten waren längst hinter uns.








Die Fahrt verlief entlang der ungarischen Grenze, bevor der Zug nach Osten abbog. Die Landschaft wurde abwechslungsreicher, mit Wäldern, einsamen Gehöften und winzigen Dörfern. Das Thermometer zeigte mittlerweile 24 Grad, und die Sonne tauchte die Umgebung in leuchtende Farben. Vereinzelt sah man verfallene Scheunen, aber die Wohnhäuser wirkten gepflegt. Storchennester und Sonnenkollektoren waren hier keine Seltenheit.


Die Zugfahrt in der 2. Klasse war eigentlich angenehm. Es gab ausreichend Platz und die Sitze waren halbwegs bequem. Ich hatte in den letzten Jahren oft Zugreisen gemacht, sodass ich mich mittlerweile als "Experten für Zugtoiletten" bezeichnen konnte. Im internationalen Vergleich schnitten die rumänischen Toiletten besser ab als die bulgarischen.




Pünktlich erreichten wir schließlich den Bahnhof von Cluj. Die Orientierung vor Ort gestaltete sich dank einer freundlichen Einheimischen unkompliziert, die Englisch sprach und mir den Weg erklärte.


Cluj, auch als Klausenburg bekannt, ist eine Stadt mit fast 300.000 Einwohnern und hat eine lange Geschichte, die bis in die prähistorische Zeit zurückreicht. Im 13. Jahrhundert wurde sie zur Stadt und war damals die zweitgrößte Stadt Ungarns. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie Teil Rumäniens, im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen verwaltet und nach der Pariser Friedenskonferenz von 1946 erneut Teil Rumäniens. Cluj ist eine Universitätsstadt mit vielen renommierten Instituten und beheimatet wie andere rumänische Großstädte zahlreiche IT-Unternehmen.


Meine Unterkunft befand sich mitten im Zentrum und in einem lebendigen Viertel der Studenten. Cluj ist eine moderne Stadt mit breiten Straßen und viel Verkehr. Sie beherbergt eine Vielzahl junger Menschen, und der Altersdurchschnitt liegt wahrscheinlich bei etwa 30 Jahren. Die meisten Gebäude sind modern, aber etwa 30 % haben historischen Charakter. Die Straßen im Zentrum bestehen zu 60 % aus Bars und zu 40 % aus Restaurants, was es zu einem lebhaften Viertel macht, das auch tagsüber gut besucht ist. Meine Unterkunft war modern, sauber und gut gelegen.














Während eines Spaziergangs bemerkte ich eine interessante Kleinigkeit: Die Bänke, die überall in der Stadt zum Ausruhen einluden, verfügten fast alle über USB-Steckdosen – eine großartige Idee!




Heute hatte ich kein festes Programm und schlenderte an der Michaelskirche vorbei, bewunderte einige Reiterstandbilder und entdeckte den Turnul, einen Feuerturm, der modernisiert wurde, um Besuchern das Erklimmen der acht Stockwerke zu erleichtern. Von oben bot sich ein großartiger Blick über die Stadt, und in den verschiedenen Etagen fand eine Kunstausstellung statt – eine kreative Idee.
















Eine Pommesbude schien hier ebenfalls eine beliebte Attraktion zu sein, da ich mindestens dreimal daran vorbeikam und sie immer gut besucht war.









In jeder Stadt, die ich bisher besucht habe, und auch hier in Cluj, stieß ich auf ein Standbild der Kapitolinischen Wölfin mit Romulus und Remus. Ich fragte mich, was dieses Motiv hierher gebracht hatte, und nach einer kurzen Recherche in Wikipedia erfuhr ich, dass "Romania" in der Spätantike ein gebräuchlicher Begriff für das Römische Reich war und später im Mittelalter für das Gebiet des Byzantinischen Reichs. Die Daker, die auf dem Gebiet des späteren Rumäniens lebten, wurden im Jahr 106 n. Chr. in das Römische Reich eingegliedert und romanisiert, sowohl sprachlich als auch kulturell. Das erklärte die Präsenz dieses Motivs.


Es war nicht einfach, angesichts der vielen Kneipen eine Entscheidung für den Abend zu treffen, aber ich hatte mir einige Restaurants und Bars gemerkt. Der Abend würde zeigen, wohin es mich verschlagen würde.








Nachtrag: ich habe es gut angetroffen. Kleiner Spaziergang, lecker gegessen und einen Mörder-Schnaps getrunken (das in dem Glas ist kein Wasser, sondern hochprozentiger Pflaumenschnaps!)


Nachtrag: Nachtrag: auf dem Weg zurück war es schweinekalt. 11 Grad. Ich bin im Norden angekommen!

Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Heimflug 14.10.2023

Tag zwei und letzter Tag in dieser schönen Stadt 13.10.23